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Tretter und die Textarbeit im dunklen Keller
Main-Post, 15.06.2017

Strahlender Sonnenschein in Würzburg, herrlicher Sommertag. Und Mathias Repiscus sitzt in seinem Bockshorn-Keller im Fastganzdunklen, irgendwo in Reihe drei im leeren Saal, und blättert im Ordner. „Wo waren wir?“ Oben auf der Bühne rückt Mathias Tretter das Papier zurecht. „Bei den Ethnopluralisten.“ Dann erzählt er, nicht zum ersten Mal an diesem Tag, dass Schrebergärten jetzt Urban Gardening heißen und Gärtnereien „Werkstatt für florale Objekte“. Dass er mal ein Bordell eröffnen will, nur um es „Institut für humane Penetrationshydraulik“ nennen zu können. Und – der Mann auf der Bühne beugt sich vor, lässig den Ellbogen an der Tischkante – wie ist das biodeutsche Wort für Rassist? „Arschloch!“

Kurzer Blick nach unten, zum Regisseur, der sich einen Zigarillo ansteckt. „Noch mal zurück?“ – „Nee, mach doch.“

Seit 11 Uhr hocken die beiden Männer im bunkerartigen Kulturspeicheruntergrund und arbeiten sich bis abends durch den Text. Fast acht Stunden lang, fast am Stück. Mehrere Tage geht das jetzt schon so. Tretter redet auf der Bühne, Repiscus fährt von unten dazwischen. Schlechte Pointen zu entlarven, dröge Passagen bloßzulegen, misslungene Übergänge zu entdecken, Frustfaktor zu sein – das ist sein Job.

ZUM TEXT

Randnotizen

Deutscher Kleinkunstpreis 2017
Die Preisträger des Deutschen Kleinkunstpreises 2017 stehen fest:
Tobias Mann (Kabarett)
Die Feisten (Chanson/Musik/Lied)
Nico Semsrott (Kleinkunst)
Konstantin Wecker (Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz)
Hazel Brugger (Förderpreis der Stadt Mainz)



Die Preisträger des Salzburger Stier 2017 wurden bekanntgegeben:

Hosea Ratschiller und RaDeschnig (Österreich)
Helmut Schleich (Deutschland)
Hazel Brugger (Schweiz)


Der "Salzburger Stier" wurde 2017 zum 36. Mal in Kooperation der deutschsprachigen Radiosender von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol (RAI Sender Bozen) vergeben.


 




 

 

Mathias Repiscus wurde der Kulturpreis 2012 der Stadt Würzburg verliehen

Die Stadt hat damit die Verdienste des Regisseurs und Theaterleiters gewürdigt. In der Würdigung heißt es: "Mathias Repiscus ... ist ein großer in der deutschen Kleinkunstszene: Er bereitet ihr in seinem Bockshorn in Würzburg nicht nur die Bühne - er hat in den zurückliegenden 25 Jahren auch schon so manchen Kleinkünstler ganz schön groß gemacht." Zudem habe die Entscheidung, das Bockshorn aus Sommerhausen nach Würzburg zu verlagern, Würzburg einen deutschlandweiten Ruf als Kabarettstandort eingebracht.